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Bald keine Kredite für Kunden im Rentenalter?
Von Matthias Nemack
Die Zeiten haben sich bei den Verbrauchern in den vergangenen Jahren doch sehr geändert. Innerhalb weniger Jahrzehnte ist die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen deutlich gestiegen. In vielen Branchen der Wirtschaft haben die Unternehmen diese Veränderungen als Chance erkannt. Denn es sind gerade die älteren Menschen von heute, die trotz faktisch vorhandener Rentensorgen über finanzielle Reserven verfügen. Was für die Hersteller spezifischer Produkte für die Altersgruppe der Rentner in gewisser Weise ein Segen sein kann, lässt den Bankensektor in Deutschland bisher vergleichsweise unbeeindruckt.
Dies wird deutlich, schaut man sich die aktuellen Aussagen und Klagen von Verbraucherschützern zum Thema Kreditvergabe einmal genauer an. In zunehmendem Maße erhalten die Menschen im Alter 70+ keine Darlehen mehr von ihrer Hausbank. Eine ernst zu nehmende Entwicklung vor allem vor dem Hintergrund, dass die Entscheidung sich niederzulassen heute keine für den Rest des Lebens ist. Und so möchte mancher Mensch im Alter gerne noch einmal woanders neu anfangen, wenn die Kinder auf sich selbst gestellt ihr Leben führen. Auch Rentner jüngeren Alters erhalten längst nicht problemlos einen erhofften Kredit von den Banken.
Ausfallrisiko zu hoch beim Kredit für alte Menschen
Für die Banken spricht in erster Linie die Gefahr von Zahlungsausfällen (ohne Frage wegen eines vorzeitigen Ablebens) gegen die Bewilligung von Kreditanträgen älterer Kunden. Dabei gelten ältere Menschen in anderen Bereichen des Finanzmarktes als gern gesehene Kunden, die eine wichtige finanzielle Stütze für das alltägliche Bankengeschäft sind. Doch eben nur so lange, wie sie Geld mitbringen. Sobald die Kunden im Ruhestand ihrerseits für eine Anschaffung einen Kredit benötigen, machen die Banken vielfach dicht.
Freilich wird auch in diesem Punkt gerne auf die höheren gesetzlichen Anforderungen an die Eigenkapitalversorgung hingewiesen, statt das Alter der Antragsteller als Argument gegen die Bereitstellung der Kreditsummen anzuführen, so die Einschätzung der Verbraucherschützer. Dass die potentiellen Kreditnehmer um die 70 heute gut und gerne noch 10 bis 15 Jahre vor sich haben, lässt manches Institut nicht einmal bei kleineren Kreditwünschen gelten. Auswirkungen hat diese Unternehmenspolitik bei den Banken auch für die Wirtschaft. So werden den Konsumenten im Rentenalter auch Finanzierungsanträge abgelehnt, die im Einzelhandel gerne als Lockangebote genutzt werden, um Verbraucher zum Kauf zu bewegen.
Banken verlangen vielfach zusätzliche Sicherheiten
Doch es gibt auch Anbieter, bei denen diese Gruppe der Kunden mit ihrem Kreditantrag willkommen sind. Allerdings sind hier die Banken, die ihre älteren Kunden wie alle anderen Antragsteller ausschließlich nach der Bonität beurteilen, eher die Ausnahme.
Häufig beschränkt sich die Auswahl der Kreditprodukte für die Kunden ab 70 auf solche Modelle, die nur mit kurzen oder mittelfristigen Laufzeiten über einige wenige Jahre angeboten werden. Ebenso üblich ist die Forderung nach gesonderten Sicherheiten, die von reiferen Kreditnehmern vorzuweisen sind. Schlimm genug. Doch als wäre diese Arbeitsmoral an sich nicht genug, fehlt den meisten Anbietern bei dieser Vorgehensweise sogar der Mut, in den Werbeprospekten auf diese Anforderung direkt hinzuweisen. Oft erfahren die – im wahrsten Sinne des Wortes – Altkunden erst im Beratungsgespräch von dieser Kredit-Prämisse.
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