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Schwacher Dollar, starkes Gold

Von Franz von den Driesch

Da die USA kein Interesse an einem starken Dollar haben, richten Anleger ihren Blick verstärkt auf den sicheren Goldhafen.

Schneller als ursprünglich befürchtet, findet die US-amerikanische Wirtschaft den Weg aus der Rezession. Darauf deuten zahlreiche der zuletzt veröffentlichten Konjunkturdaten hin. Dennoch denkt der Chef der US-amerikanischen Notenbank, Ben Bernanke, nicht daran, die geldpolitischen Zügel anzuziehen. Im Gegenteil: Auf einer Sitzung des Offenmarktausschusses Ende September lautete die Botschaft, dass der Leitzins in Höhe von 0 bis 0,25 Prozent noch einen "längeren Zeitraum" auf dem ungewöhnlich niedrigen Niveau verharren werde.

Statt sich frühzeitig gegen eine wahrscheinlich ansteigende Inflation zu stemmen; sprich: das Ende der quantitativen Geldpolitik einzuläuten, nimmt die Fed bewusst eine Geldentwertung in Kauf. Zu groß ist wohl die Befürchtung, dass bei einer schnellen Trendwende der Geldpolitik ein erneuter Konjunktureinbruch droht. Als hübsche Begleiterscheinung würde – wie bereits nach dem Zweiten Weltkrieg und in den Siebzigerjahren – eine hohe Inflation zudem dazu dienen, die gigantische US-Verschuldung elegant zurückzufahren. Laut einer aktuellen Studie des Congressional Budget Office werden die Verbindlichkeiten von etwa 12 Billionen Dollar im laufenden Jahr auf bis zu 21 Billionen Dollar in zehn Jahren in die Höhe schnellen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Goldkurs auch künftig zulegt – auf Jahressicht kletterte der Preis des schimmernden Edelmetalls bereits um über 50 Prozent –, ist daher recht groß. Die Gründe: Gold gilt aufgrund seiner natürlichen Knappheit als wertstabil und wird daher vor allem in Zeiten steigender Inflationsraten – also einer Geldentwertung – verstärkt nachgefragt. Der schwache Dollar, der angesichts der Inflationierungspolitik der Fed zunächst kaum an Fahrt gewinnen dürfte, beflügelt ebenfalls den Goldkurs, da das Edelmetall weltweit in Dollar gehandelt, wodurch die Nachfrage aus Nicht-Dollar-Staaten bei einem schwächelnden Greenback ansteigt.

Auch die Zentralbanken erkennen den Glanz des Edelmetalls wieder. Nach Angaben des Branchenverbands World Gold Council haben die Notenbanken im zweiten Quartal 14 Tonnen gekauft. Das war nicht immer so: Zwischen den Jahren 1989 bis 2008 standen die Zentralbanken traditionell auf der Verkäufer-Seite. Sollte die Weltwirtschaft tatsächlich die Talsohle durchschritten haben, sollte zudem die Nachfrage der Schmuckindustrie, die mit Abstand den weltweit größten Goldbedarf hat, wieder ansteigen.

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