Experten warnen vor Risiken bei Revolving Kreditkarten
Von Matthias Nemack
Insbesondere unter jungen Menschen nimmt der Bedarf an Kreditkarten in den vergangenen Monaten drastisch zu. Beim Einkaufen abzuwarten, bis Anschaffungen mit den eigenen finanziellen Mitteln bezahlt werden können, kommt schlichtweg aus der Mode.
Heute (vor allem online) einkaufen zu gehen, aber erst morgen für die Kosten aufkommen – das ist das Motto der jungen Generation, und auch unter älteren Kunden gewinnt dieses Prinzip immer mehr an Bedeutung. Kreditkarten mit Revolving-Funktion sind daher ausgesprochen attraktiv. Wenigstens auf den ersten Blick.
Denn für die Verbraucherschützer sind vielen Konsumenten die Konsequenzen und die eigentlichen Hintergründe der Kreditkarten nicht in vollem Umfang erkennbar, weil die Risiken sich nicht direkt auf den Moment des Einkaufs auswirken. Im Grunde erachten die Verbraucherzentralen die Karten nur als ein weiteres Mittel für die anbietenden Unternehmen, um die Kunden über extreme Zinssätze nicht anders als bei den ohnehin beliebten Dispositionskrediten über die Zinsen erheblich zu belasten.
Extreme Zinssätze keine Seltenheit
Wird beim bisher üblichen Modell der Kreditkarten grundsätzlich am Ende des Zahlungsmonats die gesamte Summe für einen Kauf fällig, funktionieren die Revolving-Kreditkarten wie ein Ratenkredit. Nach und nach werden Ratenzahlungen und Tilgungen abgebucht. Die endgültige Restsumme wird vielfach erst nach einem Zeitraum von einem Jahr und mehr eingefordert.
Die Gefahr, bei solchen Zahlungsmodalitäten den Überblick über die Gesamtschuldensumme zu verlieren, wird als erheblich eingestuft von den Finanz- und Schuldenberatern der Verbraucher-Instanzen. Sind es in den USA teilweise gar Zinssätze in Größenordnungen von bis zu 30 Prozent, gelten Tarife von maximal 20 Prozent für die Zahlung mit einer Revolving-Kreditkarte auch in Deutschland als durchaus üblich.
Gesetz gegen Zins-Willkür in den USA
US-Präsident Obama hat aufgrund der vorhersehbaren dramatischen Auswirkungen – nicht nur auf die individuelle – Finanzlage inzwischen ein Gesetz zum Schutz der Anleger auf den Weg gebracht. In Deutschland sind solche Schritte bisher nicht geplant. Die Experten sehen jedoch vor allem einen fehlenden gesetzlichen Kontrollmechanismus als echtes Problem für die Zukunft auf dem Kreditkarten-Markt.
Angesichts eines steigenden Volumens bei den Zahlungen mit Kreditkarten rufen die Verbraucherzentralen die potentiellen Kunden daher zu mehr Zurückhaltung und Prüfung der genutzten Angebote auf. Einen effektiven Mehrwert für die Nutzer sieht man nicht. Eher handelt es sich um einen weiteren Risikofaktor, der die zunehmend steigende durchschnittliche Verschuldung der deutschen Haushalte auslösen könnte.
