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Nachhaltigkeitsbanken – Verbraucher suchen Zuverlässigkeit im Bankengeschäft
Von Matthias Nemack
Über Jahre hinweg hatten die Banken ihren Kunden Renditen versprochen, die – wie sich spätestens im Zuge der ersten Krisenmonate herausstellen sollte – nicht nur an sich schon regelrecht utopisch waren. Viele der in Zertifikate und andere riskante Anlagemodelle geleisteten Investitionen führten letztlich dazu, dass die Anleger zum Teil mit erheblichen Verlusten konfrontiert waren. Vielfach ist bis zum jetzigen Zeitpunkt wie im Falle der insolventen US-Investmentbank Lehman Brothers nicht klar, ob und in welcher Höhe die einzelnen Privatanleger entschädigt werden sollen.
Für viele Kunden waren diese Entwicklungen Zeichen und Anlass genug, um ihr bisheriges Investitionsverhalten zu überdenken und in entsprechender Weise zu handeln. Und genau in dieser Phase des Bankensektors schlug einmal mehr die große Stunde der Nachhaltigkeitsbanken. Auch wenn das Modell der nachhaltig agierenden und investierenden Bank keineswegs neu ist, hat Ottonormalverbraucher diesen Ansatz lange außer Acht gelassen.
Der europäische Branchenprimus Triodos Bank mit Sitz in den Niederlanden ist bereits seit 1980 auf dem Markt aktiv, doch einen Großteil seiner Kunden konnte das Institut erst im Rahmen der Expansion in den vergangenen Jahren erreichen. Heute betreut die Bank bereits 200.000 Kunden, die sich mit den sicheren und sozial-verträglichen Anlageformaten gut versorgt fühlen. Dabei gibt für viele Bankkunden weniger eine möglichst hohe Rendite den Ausschlag für den Wechsel zu einer Bank wie der EthikBank, der Bochumer GLS Bank, der Stuttgarter abcbank oder der erst kürzlich in Düsseldorf mit einer eigenen Filiale gestarteten noa Bank.
Bankkunden wollen mehr Transparenz bei Bankinvestitionen
Doch weitaus öfter wird auf Nachfragen die erfreulich transparente Arbeitsweise der Banken als schlagendes Argument für die Eröffnung eines Kontos genannt. Bei den so genannten Nachhaltigkeitsbanken erfahren die Anleger ständig aktuell über die Internetseiten oder den Einsatz moderner Medien wie den sozialen Netzwerken im Web, welche Projekte und Aktionen die jeweilige Bank mit den Kundengeldern über die Vergabe von Krediten an Privat- und Geschäftskunden finanziert hat.
Bei den herkömmlichen Banken fallen derartige Rechenschaftsberichte in der Regel weitaus geringer an Umfang aus. Und mehr noch: Die Kunden der steigenden Zahl der Nachhaltigkeitsbanken können bei mancher Bank sogar direkt mitentscheiden, welche Investitionen die Hausbank mit hohem sozialem Bewusstsein unterstützen soll. Dieses Konzept ist auch in diesem Bereich noch relativ jung.
Verändert hat sich auch grundsätzlich die Definition des Terminus Nachhaltigkeit in dieser Nische des Bankensektors. So war der Begriff lange Zeit vor allem oder gar ausschließlich mit Themen aus dem ökologischen Bereich verbunden. Regenerative Energien und Umweltbewusstsein galten lange Zeit als wichtigstes Kriterium in diesem Bereich. Doch über die Jahre haben die Banken ihre Ausrichtung weiter auf die zeitgenössischen Ansprüche – und nicht zuletzt auf die Bedürfnisse der Kunden – zugeschnitten. Mit dem Ergebnis, dass es heute bei den Nachhaltigkeitsbanken um eine ganzheitliche Arbeitsweise geht, die sich im Idealfall ökonomische Strategien und Faktoren mit ethischem Bewusstsein und zukunftsorientierter Kredit- und Investitionspolitik deckt.
Geldgeber entscheiden selbst über Kapitalverwendung
Wohin die wirtschaftliche Reise bei den Banken dieser Sparte gehen könnte, zeigt die Ausrichtung der bereits erwähnten noa bank. Dort können die Kunden selbst bestimmen, in welchen Bereichen das Unternehmen die erbrachten Einlagen einsetzen soll über die Vergabe von Darlehen. In den vier Rubriken "Region", "Planet", "Leben" und "Kultur" werden Projekte aus den vier zentralen Bereichen des alltäglichen Lebens abgedeckt. Neu daran ist vor allem die direkte Möglichkeit, regionale Wirtschaftszweige fördern zu können. Und auch Kunst und Kultur kommen bei vielen "normalen" Banken eher zu kurz. Nicht ohne Grund gibt es den Begriff der "brotlosen Kunst".
So sind die Nachhaltigkeitsbanken nicht ausschließlich für die Kunden als Geldgeber im positiven Sinne eine Beruhigung für das soziale und ökologische Gewissen. Auch diese Medaille hat die bekannte zweite Seite. Viele Kreditnehmer, die bei den vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit arbeitenden Banken eine Chance auf die Bewilligung eines Darlehens haben, hätten andernorts kaum berechtigte Hoffnung auf einen Kredit.
Gute Finanzprodukte trotz/wegen ethischer Arbeitsweise
Wenn in dieser Kombination dann auch noch die Produktqualität stimmt, ist es nachvollziehbar, dass so viele Verbraucher mit den Gedanken an den Wechsel zu einer der modernen Banken spielen oder den Schritt bereits ohne Reue gegangen sind. Denn die Girokonten, die Festgeld- und Tageskonten (gerade hier locken überdurchschnittliche Zinssätze) und all die anderen Sparmodelle bieten den Kunden nicht nur gute Renditen. Sie sind zudem frei von Kontoführungsgebühren und überzeugen zudem mit etlichen Extras wie kostenlosen Kreditkarten für den kostenlosen Bargeldzugang in Aus- und Inland. Und natürlich bieten die Nachhaltigkeitsbanken ihren Sparern die bekannte Einlagensicherung.
Nachhaltige Banken im Detail:
Fazit:
Das neue Bewusstsein für ethisch-vertretbares Investieren ist für alle Parteien lohnend. Wie sonst wäre es zu erklären, dass die Institute aus diesem Bereich so rege Erfolge verzeichnen und zu jedem Zeitpunkt überzeugende Argumente für eine Kontoeröffnung bieten können? Das Ergebnis des Booms ist erfreulich: Allmählich verlieren Banken endlich wieder ihren Ruf als reine Profitmaschinen, die nur das eigene Wohl im Blick haben.
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